Das Reh: Steckbrief unseres häufigsten Schalenwilds
Kaum ein Wild begegnet dir als Jungjäger so oft wie das Reh. Grund genug, den heimlichen Waldbewohner einmal genauer vorzustellen – von der Äsung bis zur Brunft.
Das Reh (Capreolus capreolus) ist das häufigste und am weitesten verbreitete Schalenwild in Deutschland. Es lebt sowohl im Wald als auch in der offenen Feldflur und ist damit für viele der erste Kontakt mit dem lebenden Wild.
Größe, Gewicht und Erscheinung
Das Reh ist ein zierliches Wild: Es erreicht eine Schulterhöhe von etwa 65 bis 75 cm und wiegt je nach Region und Jahreszeit rund 15 bis 30 kg. Im Sommer trägt es ein rotbraunes, im Winter ein graubraunes Haarkleid. Auffällig ist der helle „Spiegel“ am Hinterteil.
Lebensraum und Äsung
Rehe sind sogenannte Konzentratselektierer – sie äsen wählerisch und bevorzugen junge, nährstoffreiche Pflanzenteile: Knospen, Triebe, Kräuter und Blätter. Als Kulturfolger kommen sie mit Wald, Feld und dem Übergang dazwischen bestens zurecht.
Brunft, Setzzeit und Nachwuchs
Die Brunft – bei Rehen „Blattzeit“ genannt – fällt in den Hochsommer, etwa Juli bis August. Durch eine Besonderheit der Natur, die Keimruhe, setzt die Ricke ihre meist ein bis zwei Kitze aber erst im folgenden Frühjahr, meist im Mai oder Juni. Die getupften Kitze liegen in den ersten Wochen gut getarnt im hohen Gras.
Bock, Ricke oder Kitz? – Wild richtig ansprechen
Das Ansprechen – also das genaue Erkennen von Art, Geschlecht und Alter – ist eine Kernkompetenz jedes Jägers. Beim Reh trägt nur der Bock ein Gehörn (nicht „Geweih“), das er jährlich neu schiebt. Die weibliche Ricke ist gehörnlos. Das sichere Ansprechen lernst und übst du in der Ausbildung – mit Präparaten und draußen im Revier.
Häufige Fragen
Heißt es Gehörn oder Geweih?
Beim Reh spricht man vom Gehörn, das der Bock jedes Jahr neu bildet. „Geweih“ sagt man beim Rotwild und Damwild.
Warum finde ich manchmal ein Kitz allein im Gras?
Das ist völlig normal: Die Ricke legt ihr Kitz zum Schutz ab und kehrt zum Säugen zurück. Bitte nicht anfassen – es ist nicht verlassen.
Sind Reh und Rothirsch dasselbe?
Nein. Das Reh ist deutlich kleiner und eine eigene Art; der Rothirsch gehört zum Rotwild.
